Die Verteidigung des Welterbes

Heute hat die UNESCO ernst gemacht und dem Elbtal den Status des Welterbes aberkannt.

Obwohl die Stadt Dresden sehr viel getan hat, was dies hätte verhindern können. Wenn man es mit dem Repertoir eines vierjährigen Kindes vergleicht, haben sie eigentlich wirklich alles getan...

  • Zuerst haben sie versucht, das UNO Komitee anzuschwindeln ("War ich gar nicht!"): In den Bewerbungsunterlagen für den Welterbetitel wurde die Brücke einfach woanders eingezeichnet. Drei Kilometer weiter. Hamm die aber gemerkt.
  • Dann haben sie der UNESCO mangelndes Demokratieverständniss vorgeworfen ("Bäh! Selber!"): Die würden doch glatt den Willen des Volkes missachten. Missachteten sie aber gar nicht, schließlich wollte doch das Volk diese Brücke, und genau deswegen verlieren sie den Titel. Passt scho.
  • Dann haben sie auf einen anderen Schuldigen verwiesen ("Der wars!"): Die Presse, diese Schlingel, haben die Brücke zu negativ dargestellt. Haltet den Dieb!
  • Sie haben sogar versprochen, mit dem Unsinn aufzuhören ("Wieder artig sein..."): Fairerweise muss man sagen, der Statdrat von Dresden hat sogar einmal dagegen gestimmt, nur leider hat an dieser Stelle der Freisstaat das Kommando übernommen und das Ding einfach durchgezogen. Pech.
  • Zuletzt hatten sie um Aufschub gebettelt ("Noch ein paar Minütchen. Bitte, bitte!"): Erst wenn sich 2011 die Brücke wirklich als Brücke herausstellt, und tatsächlich an der Stelle steht, wo jetzt die Fundamente gebaut werden, und nur wenn die Presse sie immer noch negativ darstellt, erst dann sollte doch entschieden werden.

Hat alles nicht geklappt.

Jetzt sind sie bockig ("Mit dir spiel ich sowieso nicht mehr! Ätsch!"): Nach einer Umfrage der sächsischen Zeitung hält die Mehrheit der Dresdner den Titel für verzichtbar.

Ein Leser des Köllner Stadtanzeiger kommentiert das so: "Danke, Ossis! Vielen, vielen Dank!!! Seit zwei Jahrzehnten bekommt Ihr den Soli in Euren faulen Hintern geschoben ..."

Ich hätte noch einen letzten Vorschlag (aus dem Repertoir des oben erwähnten vierjährigen Kindes): "Aber die anderen dürfen das doch auch!"

Es ist nämlich wirklich sooo unfair:

Die da dürfen ihren Titel trotz der blöden Brücke behalten!Welterbe Oper von Sydney (K/2007)

Und die da haben ihn sogar deswegen bekommen! Welterbe Brücke und Altstadt von Mostar (K/2005)

Gemein oder?

Kommentare

Welt-Erbe

Kompliment für diesen gelungenen, amüsanten und doch auch nachdenklich stimmenden Artikel. Wahrscheinlich ist es tatsächlich so, dass das "Große Ganze", das Welt-Erbe, einfach nicht alltagstauglich ist. Was sind eigentlich die Kriterien für ein Welt-Erbe? Wie wollen wir uns denn den Aliens präsentieren? Geht es darum, wie wir gerne wären oder wie wir sind?